Eastbourne latest (Schülerinnenbericht)

Eastbourne. Das ist eine kleine Küstenstadt im Südwesten Englands, gelegen in East Sussex, von der ihr wahrscheinlich noch nie etwas gehört habt. So ging es mir auf jeden Fall, als wir in der siebten Klasse die Information erhielten, es würde etwas Brandneues für das nächste Jahr angeboten: Eine
einwöchige Sprachreise und zwar genau dorthin. Für mich stand direkt fest, dass ich mich dafür
bewerben würde, denn bis dato wurden bei uns nur Austausche in französischsprachige Gebiete
angeboten (an einem habe ich sogar teilgenommen, weil ich in der „F-Klasse“ war) und da mir die
englische Sprache schon immer sehr gefallen hatte und ich immer mal nach England wollte, ließ ich
mir diese Chance nicht entgehen und meldete mich kurzerhand an.

Und siehe da, da war ich auch schon dabei! Ich kann mich noch ganz genau dran erinnern, als unser
begleitender Lehrer in den Klassenraum kam und meinen Namen und den meiner Freundin vorlas. Wir
waren echt super froh und erleichtert; wir hatten nämlich schon gar nicht mehr damit gerechnet, weil
sich am Ende doch sehr viele Schüler*innen aus unserer Stufe bewarben.

Das Warten war groß, bis es dann im Oktober 2019 endlich losging. Die Busreise war sehr lang, die
längste die ich bis zu dem Zeitpunkt unternommen hatte, aber ich muss gestehen, sie war gar nicht so
schlimm, wie ich es mir zuerst vorgestellt hatte und besonders die Fahrt mit der Fähre und die tolle
Aussicht auf das Meer haben mir gefallen. Nichtsdestotrotz kamen wir erst um 21 Uhr auf einem
dunklen Parkplatz irgendwo in Eastbourne an und mussten erst einmal auf unsere Gastfamilien warten
bzw. auf den Teil, der uns abholen kam.

Bei uns war dies die Mutter einer vierköpfigen Familie namens Alina. Sie, ihr Mann und ihre kleinen
Töchter (soweit ich mich erinnern kann ging eine zur nursery school, die andere schon auf die primary
school) lebten in einem kleinen, aber sehr schönen und ziemlich modern eingerichteten
Einfamilienhaus zusammen mit ihrer bereits älteren Hündin. Es war mitten in einer ruhigen
Nachbarschaft gelegen, mit ein paar verteilten Wiesen und einem Spielplatz in der Mitte der Straße.
Mit unserer Gastfamilie konnten wir leider nicht ganz so viel Zeit verbringen, weil morgens alle immer
schon aus dem Haus waren (der Vater musste früh zur Arbeit und die Mutter brachte die Kinder zur
Schule) und wir am Abend immer erst recht spät von den Ausflügen nach Hause kamen. Mit der Hündin
verhielt es sich jedoch anders, da sie immer im Haus war und ich muss sagen: Sie war ein richtiger
Schatz, sehr ruhig und gelassen, aber trotzdem immer neugierig und stets sehr zutraulich, weshalb es
morgens beim Frühstück die ein oder andere Kuscheleinheit gab.

Da ich gerade schon einmal kurz die Ausflüge erwähnt habe, die waren auch echt klasse. Jeden Tag unternahmen wir etwas anderes und es war echt so gut wie nie langweilig. Unter anderem haben wir uns das kleine Städtchen Eastbourne angeschaut, welches im Endeffekt dann doch gar nicht so klein war. Ich fand vor allem den Pier am Meer ganz schön, der ziemlich majestätisch auf dem Wasser thronte, obwohl er nicht wirklich mit dem in Brighton zu vergleichen ist, wo wir ebenfalls an einem Tag waren. 

Mein allerliebster Ausflug war aber definitiv der nach London. Zwei Stunden dauerte es mit dem Bus dorthin, aber das war es definitiv wert. Angekommen sind wir in Greenwich, von wo aus wir eine Bootstour auf der Themse bis zum London Eye unternommen haben (wir sind auch unter der Tower Bridge hindurch gefahren, das war toll!).

Die Fahrt mit dem Riesenrad war unheimlich aufregend. Im Anschluss ging es in den so genannten London Dungeon, wo es eine Art Live-ActionGruselvorstellung gibt, die auf der Londoner Geschichte basiert. Bevor wir das Boot zurücknahmen, haben wir abschließend als Gruppe eine kleine Sightseeing-Tour auf eigene Faust unternommen und noch viele berühmte Orte wie beispielsweise den Buckingham Palace gesehen. An diesem einen Tag habe ich mich einfach nur in diese Stadt verliebt, anders kann ich es nicht ausdrücken und kann es kaum erwarten, noch einmal dorthin zu reisen.

Meine zweitliebste Exkursion war wahrscheinlich die Wanderung auf den Seven Sisters, den Klippen
am Meer in Eastbourne, ganz in der Nähe von Beachy Head, der höchsten Kreideklippe
Großbritanniens (wo wir apropos auch waren und die Aussicht war einfach unbeschreiblich!). Ich
denke, ihr könnt euch vorstellen, wie groß die Begeisterung war, als unsere begleitenden Lehrer*innen uns mitteilten, wir würden an jenem Tag eine Wanderung unternehmen. Genau, sie war nicht ganz so enorm, genau so wenig wie unsere Motivation. 

Trotzdem mussten wir natürlich gehen und im Endeffekt war es eines der lustigsten und, naja, auch aufregendsten Dinge, die ich je erlebt habe. Der Wind war nämlich so stark, dass man sich schon fast gegen ihn lehnen konnte und allgemein hat er einen ständig von allen Seiten beinah weggepustet. Oh, und wir mussten fast die ganze Zeit sehr laut sprechen bis schreien, damit wir einander überhaupt auch nur irgendwie verstehen konnten.

Darüber hinaus hatten wir fast jeden Tag so um die zwei Stunden Englischunterricht mit zwei
Muttersprachlern, einer hieß Nigel, der Name der Lehrerin ist mir leider entfallen. Unsere Truppe
wurde dann immer in zwei Gruppen aufgeteilt, die eine Hälfte hatte zuerst Unterricht mit der einen
Lehrkraft und dann in der nächsten Stunde mit der anderen. Ich muss sagen, der Unterricht mit Nigel
war schon sehr spaßig. Wir haben fast nur Wortspiele gespielt, jedes Mal ein anderes, um, denke ich,
unser Gefühl im Hinblick auf den Umgang mit der englischen Sprache und unseren Wortschatz zu
verbessern. Oft haben wir dies in Teams gemacht, ich natürlich mit meiner Freundin. Wir waren ein
richtiges dream team, hatten immer Spaß und legten uns aber auch sehr ins Zeug. Die Lehrerin
thematisierte vor allem das Vokabular, aber auch ein wenig die englische Geschichte. Ich weiß, das
klingt natürlich nicht ganz so amüsant wie der Unterricht mit Nigel, aber ich fand es trotzdem toll und
auch sie war meiner Meinung nach sehr sympathisch.

Die Sprachreise nach Eastbourne stellte sich als echt vielseitig, spaßig, lehrreich, interessant,
abenteuerlich und einfach einzigartig heraus. Ich werde meine Zeit dort, die Exkursionen, die
Menschen, die ich kennenlernen durfte, alles, nie vergessen.

Meine Reise dorthin ist jetzt schon über zwei Jahre her, aber ich bin fest entschlossen nach England und vielleicht auch noch einmal nach Eastbourne zurückzukehren.

Amina Bouaziz, EF