Wir, die Klasse 10D des Annette-Gymnasiums, haben am 26.09.2025 Herrn Rudolf Daubach zu uns eingeladen. Er ist ein direkter Nachfahre von Moritz Steinwasser, für den wir im Rahmen des Projekts „80 Jahre Kriegsende“ am 8. Mai 2025 in Benrath Spenden gesammelt haben, um die Patenschaft für einen Stolperstein zur Erinnerung an ein NS-Opfer zu übernehmen.
Moritz Steinwasser wurde am 26.07.1869 in Dormagen geboren und lebte bis zu seiner Deportation am 20./21. Juli 1942 in der Telleringstraße 90. Am 04.08.1942 verstarb er kurz nach seiner Ankunft im Ghetto Theresienstadt bei Prag. In seiner Todesurkunde steht, dass er an Herzversagen bzw. Altersschwäche gestorben sei, was wahrscheinlich klingt, da er bereits ein hohes Alter erreicht hatte, als er deportiert wurde. Dennoch weiß niemand aus der Familie etwas Genaues über seine letzten Tage.
Herr Rudolf Daubach, einer seiner Ur-Enkel, der sich selbst im 70. Lebensjahr befindet, konnte sich nur an wenige Details aus seiner Familiengeschichte erinnern. Dennoch berichtete er uns ein wenig über seinen Familienstammbaum. Moritz Steinwasser hatte zehn Kinder, die wiederum eigene Familien gründeten. Unter diesen Nachkommen befanden sich auch die Großeltern von Herrn Daubach. Eine Enkelin von Moritz Steinwasser lebt ebenfalls noch in einem Seniorenheim in Düsseldorf.
Für das Treffen hatten mehrere Mitschülerinnen und Mitschüler Kuchen gebacken, wodurch eine sehr angenehme und herzliche Atmosphäre entstand. Bei Kaffee und Kuchen konnten wir in Ruhe mit Herrn Daubach sprechen und ihm Fragen zu seiner Familie stellen, die er so gut wie möglich beantwortete. Manche Fragen konnten wir jedoch sogar besser klären, weil wir im Rahmen unseres Projekts die umfangreichen Gestapo- und Entschädigungsakten zu Moritz Steinwasser eingesehen und zusammengestellt haben. Da Herr Daubach selbst nur wenige Informationen über Deportation und Tod seines Urgroßvaters sowie die Bemühungen seiner Tochter, nach dem Zweiten Weltkrieg eine Entschädigung für entstandenes Leid zu erwirken, besaß, überreichten wir ihm diese Akten am Ende des Treffens, damit er mehr über seine Familiengeschichte erfahren kann. Er zeigte sich sehr dankbar darüber.
Zum Abschluss sprachen wir gemeinsam mit Herrn Daubach über den geplanten Stolperstein. Dabei berieten wir, welche Formulierung auf dem Stein stehen soll. Da die Todesumstände von Moritz Steinwasser nicht eindeutig geklärt sind, mussten wir eine passende und respektvolle Wortwahl finden. Schließlich einigten wir uns auf eine Formulierung, die seinem Schicksal gerecht wird. Ob der Künstler Demnig, der die Idee von den Stolpersteinen entworfen hat, dieser folgt, werden wir hoffentlich bald sehen können, wenn der Stein zur Erinnerung an Moritz Steinwasser an seinem letzten Wohnort, der Telleringstraße 90, verlegt wird.
Das Treffen war für unsere gesamte Klasse eine bereichernde Erfahrung. Es hat uns gezeigt, wie wichtig Erinnerungsarbeit ist und wie bedeutend es sein kann, Familiengeschichten zu bewahren und sichtbar zu machen. Der Austausch mit Herrn Daubach war wertvoll und bewegend.
Leni N.
