Dem Dichter und Autoren Gotthold Ephraim Lessing wird das Zitat zugesprochen: „Schach ist für das Spiel zu ernst, für den Ernst zu viel Spaß“. Etwa in diesem Sinne ließ sich die Stimmung am 18.12.2025 in der Aula des Benrather Schloß-Gymnasiums beschreiben, das in Zusammenarbeit mit dem Schachverein SFD 1975 e.V. ein Weihnachtsschachturnier auf die Beine gestellt hatte. Fast 80 Schüler:innen der unterschiedlichsten Schulen wurden davon angelockt, darunter auch 5 Delegierte des Annette-Gymnasiums. Besonders zu Beginn stand den Spieler:innen noch eine gespannte Nervosität ins Gesicht: Wie finde ich in all dem Gewusel meinen Gegner, wie das Brett, das mir zugewiesen wurde? Doch mit den ersten Zügen wich die Anspannung einer konzentrierten Turnieratmosphäre.
Gespielt wurde über 9 Runden im Schnellschachformat mit zehn Minuten Bedenkzeit pro Kopf. Das bedeutet: Wer nicht schnell genug zieht, verliert – selbst bei einer Gewinnstellung auf dem Brett. Dieses Format sorgte für die ein oder andere hochspannende Begegnung, etwa bei Maya Bochmann (8f) in der sechsten Runde des Turniers, in der sie mit nur noch 40 Sekunden Bedenkzeit und einer Verluststellung auf dem Brett die Nerven behielt: Obwohl ihre Gegnerin zu diesem Zeitpunkt noch über drei Minuten auf der Uhr und bislang gnadenlos souverän gespielt hatte, zwang Maya sie in den sogenannten „time scramble“. Mit nur drei Sekunden Restzeit konnte sie schlussendlich den verloren geglaubten Sieg doch noch retten. Das geschah unter den Augen einiger interessierter und miteifernder Zuschauer:innen, darunter auch Hodna Oughadi (ebenfalls 8f). Hodna zeigte an diesem Tag, dass sie das Zeitformat in beide Extreme ausreizen konnte. In der ersten Runde holte sie bereits nach fünf Zügen ihren ersten Sieg, in der zweiten Runde war sie die letzte, die noch am Brett saß. Eine kleine Pause konnte sich in der dritten Runde Konrad Wais (8b) gönnen, dessen Gegner nicht am Brett erschien, sodass die Partie nach zehn Minuten als Sieg für Konrad gewertet wurde. Er nutzte diese Erholungspause und holte sich im Anschluss drei Siege in Folge. Das wäre auch beinahe Philipp Röher (ebenfalls 8b) gelungen. In seiner Fünftrundenpartie sah er nach abgeklärter Leistung im Endspiel schon wie der sichere Sieger aus, stellte dann aber in einem kleinen Moment der Unkonzentriertheit einen Turm ein.
Auf der Rangliste immer weiter und weiter nach oben kletterte Maksim Sukhanov aus der 8b. Nach einem Remis in der ersten Runde gab er sich im weiteren Turnierverlauf keine Blöße mehr und holte beeindruckende fünf Siege in Folge, wodurch er nach den ersten sechs Runden zu den acht besten Teilnehmern des Feldes gehörte. Diese spielten von da an ein eigenes KO-Blitzturnier um den Gesamtsieg. In diesem Format gab es kein Unentschieden mehr, der Spieler mit den weißen Steinen musste die Partie gewinnen, hatte dafür aber auch mit sechs Minuten Bedenkzeit eine Minute mehr auf der Uhr als der Gegner, der dadurch zwar weniger Zeit hatte, aber auch bei einer Remisstellung den Sieg beanspruchen konnte. Auch hier zeigte Maksim seine besondere Klasse am Brett. In der zweiten Runde des KO-Turniers fand er unter Druck stehend ein besonders ästhetisches Schachmatt, an dem Turm, Springer und Dame beteiligt waren. Auch in der dritten Runde hatte er den eigenen Zeitnachteil mit den schwarzen Steinen im Mittelspiel bereits ausgeglichen und die Partie in der Remisbreite gehalten, sodass ein Platz auf dem Siegertreppchen in greifbarer Nähe lag. Doch dann zeigte sich die brutale Unnachgiebigkeit des Schachsports. Ein unbedachter Bauernzug von Maksim stellte seine Dame und damit in der Spitzengruppe jede Chance auf das Weiterkommen ein. Dass ein Damenvorteil dabei nicht immer automatisch auch den Sieg bedeuten muss, wurde Maya in ihrer letzten Runde zum Verhängnis. Im Endspiel konnte sie nicht nur einen, sondern gleich zwei Bauern durch den Zug auf die letzte Reihe in Damen umwandeln. Diese mussten dann aber sofort wieder zur Verteidigung des gegnerischen Bauernsturmes eingetauscht werden, sodass die Partie Remis endete.
Diese und viele weitere spannende Partien führten dazu, dass am Ende des Tages der Spaßaspekt bei allem Ernst innerhalb der Begegnungen deutlich überwog. Das hätte bestimmt auch Lessing so gesehen.
Wir gratulieren sehr herzlich allen Teilnehmer:innen des Annette-Gymnasiums zu einer tollen und ausdauernden Leistung, die mit folgenden Gesamtplatzierungen belohnt wurden:
Maksim Sukhanov: 4. Platz
Maya Bochmann: 13. Platz
Konrad Wais: 24. Platz
Hodna Oughadi: 26. Platz
Philipp Röher: 48. Platz
Ein besonderer Dank gilt dem Schloß-Gymnasium und dem SFD 1975 e.V., die für eine tolle und reibungslose Organisation des Turniers gesorgt haben.
